Bei der heutigen Pressekonferenz wurde die Ergebnisse des Arbeitsklimaindexes präsentiert. Details siehe Beilage! buv-arbeitsklima
14.05.2008 | Salzburg | (SN).
Die Stimmung bei Mitarbeitern von Banken und Versicherungen ist nicht gut. Hohe Zielvorgaben setzen laut AK-Umfrage viele Angestellte unter Stress.
Salzburg (SN). Lange Zeit galt ein Job bei einer Bank als besonders begehrenswert. Das scheint sich nun geändert zu haben. Laut dem jüngsten Arbeitsklimaindex der AK Salzburg ist die Stimmung der Beschäftigten in Banken und Versicherungen nämlich deutlich schlechter als im Durchschnitt der Wirtschaft. Der Arbeitsklimaindex bei Banken und Versicherungen liegt bei 103 Punkten, der Gesamtindex dagegen bei 120 Punkten.
Als Grund für die schlechte Stimmung an Bankschaltern ortet AK-Präsident Siegfried Pichler die Konzentration im Bankgeschäft, die zu Umstrukturierungen und Sparmaßnahmen führt. Zwar sehen die Bankmitarbeiter ein, dass betriebliche Veränderungen zur Erhaltung der Konkurrenzfähigkeit notwendig sind, aber fast die Hälfte empfindet dadurch persönliche Nachteile. „Geklagt wird vor allem über zusätzliche Aufgaben, höhere Arbeitsbelastung, mehr Druck und verstärkte Überwachung“, sagte Walter Steidl, Regionalgeschäftsführer der Privatangestelltengewerkschaft am Dienstag vor Journalisten in Salzburg.
Vor allem die Zielvorgaben in den Geldinstituten machen vielen Beschäftigten Stress: „Eine häufige Klage ist, dass Banken zu Vertriebsmaschinen werden und Berater zu Keilern“, erklärte AK-Arbeitsklimaexpertin Hilla Lindhuber. Unrealistische Zielvorgaben würden zu einem immensen Verkaufsdruck führen. Nur 54 Prozent der Mitarbeiter mit Zielvorgaben hielten diese für erreichbar.
Auffallend ist, dass vor allem die Teilzeitbeschäftigten in den Banken nicht zufrieden sind. Am deutlichsten ausgeprägt ist dies bei Frauen. „Obwohl Banken ein modernes Image haben, sind die Nachteile bei Aufstieg und Einkommen offensichtlich größer als im Durchschnitt der Teilzeitbeschäftigten. Bei der Rückkehr aus der Karenz klagen viele Frauen über geringer qualifizierte Jobs“, erklärte Gewerkschafter Steidl.
Nicht gut ist auch die Stimmung in der Versicherungsbranche. Auch hier sorgen steigender Arbeitsumfang und Zielvorgaben für wachsenden Druck auf die Beschäftigten. Ein wesentlicher Stressfaktor vor allem für die Mitarbeiter im Außendienst seien ständig neue Versicherungsprodukte, erklärte Steidl. „Kaum ist ein Verkäufer auf die Produkte geschult, werden sie schon wieder vom Markt genommen und durch neue ersetzt.“
Außendienstmitarbeiter verdienten zwar sehr gut (Männer rund 2500 Euro netto), dieses Einkommen beruhe aber zum Großteil auf Provisionen, sagte Steidl. Auffallend sind die großen Einkommensunterschiede zwischen den Geschlechtern: Frauen im Innendienst verdienen um rund ein Viertel weniger als die Männer, bei allen Versicherungsbeschäftigten beträgt die Einkommensdifferenz sogar rund 40 Prozent.