| ST. PANTALEON/HAIGERMOOS. Heute hätten – so wie schon in vielen Braunauer Gemeinden zuvor – im ehemaligen „Heimatkreis des Führers“ wieder Stolpersteine verlegt werden sollen. Die Aktion ist zum Bedauern vieler jedoch abgesagt worden.
Warum vorerst nichts aus dem Mahnmal für Nazi-Opfer wird – konkret sollte ermordeter Sinti im ehemaligen Lager Weyer damit gedacht werden –, ist nicht so recht klar.
Noch vor wenigen Tagen schien alles fix zu sein. Der Kölner Künstler Gunter Demnig, von dem die Stolperstein-Idee stammt und der zwischenzeitlich in Mitteleuropa 15.000 davon verlegt hat, stand für den 27. August bereit. Sechs Steine wären vorgesehen gewesen.
Dann überschlugen sich auf einmal die Ereignisse. Dem Vernehmen nach übertrug der Verein Erinnerungsstätte Lager Weyer dem Innsbrucker Wissenschafter Andreas Maislinger die Verantwortung. Maislinger, der auch im Österreichischen Gedenkdienst aktiv ist, sah offenbar keine Probleme und hielt am ursprünglichen Termin fest.
Dann schickte der aus St. Pantaleon stammende Wissenschaftler plötzlich eine E-Mail aus und teilte mit, dass der Auftraggeber der sechs Gedenksteine kurzfristig abgesagt habe. Maislinger ist vielen Innviertlern auch als wissenschaftlicher Leiter der Braunauer Zeitgeschichte–tage ein Begriff.
Die überraschende Absage öffnete Spekulationen Tür und Tor. Unter anderem ist von atmosphärischen und intellektuellen Diskrepanzen die Rede und davon, dass es sich um eine sehr komplexe Geschichte handle – was auch immer das bedeuten mag.
Es kursiert zudem das Gerücht, dass die Grundbesitzerin, auf deren Eigentum die Steine verlegt werden sollten, einen Rückzieher gemacht habe. Das dürfte aber definitiv falsch sein und nicht stimmen.
Ortschef ist enttäuscht
St. Pantaleons Bürgermeister Herbert Huber (SP) ist persönlich jedenfalls sehr enttäuscht. „Meiner Meinung nach tut die Absage dem Gesamtvorhaben nicht gut. Die Anzahl der Befürworter war zuletzt wirklich groß.“
Die Stolpersteine hätten zwar im benachbarten Haigermoos verlegt werden sollen, das Areal gehörte früher jedoch zur Braunauer Gemeinde St. Pantaleon. Huber: „Somit handelt es sich um einen Teil unserer Geschichte.“
vom 27.08.2008
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